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Button Eifersucht verhindert gar nichts

Meine erste Beziehung, die sich immerhin über dreizehn Jahre erstreckte, war von der Eifersucht meines Ex-Mannes zerfressen. Es war irgendwann nicht mehr auszuhalten, so dass ich die Konsequenzen gezogen habe und mich von allem was mir bis dahin wichtig war, mein Zuhause und mein Garten und auch einen Teil meiner damaligen Freunde getrennt habe. Es war die beste Entscheidung meines Lebens.

Heute lebe ich in einer eifersuchtfreien Beziehung, hier kann ich atmen und mich entfalten. Aber leider sind wir in dieser Hinsicht ein ziemlich exotisches Paar, unsere Ansichten werden manchmal als bedrohlich empfunden. Warum sind wir in der Lage, eine Lebensform zu leben, die zumindest in unseren Breiten nicht üblich ist und auch nicht so recht akzeptiert wird?

Ich war noch nie ein eifersüchtiger Typ, schon als Kind nicht. Wenn meine Geschwister etwas geschenkt bekamen hat mich das gefreut, Neid oder andere negative Gefühle gab es da nicht, und das ist bis heute so geblieben. Auch mein Mann zeigt keinerlei Anzeichen von Eifersucht und das ist ein Segen für mich. Denn dann wäre ich sicher wieder weg.

Eifersucht ist etwas Schreckliches, das weiß niemand besser, als der, der sie selbst erlebt oder darunter gelitten hat. Es ist eine Frage des Selbstwertes und das Vertrauen in sich selbst. Für mich hat eine Beziehung nur Sinn, wenn mein Gegenüber aus freien Stücken bei mir ist und nicht, weil ich ihm etwas aufzwinge oder von ihm verlange, nicht mehr links oder rechts zu schauen.

Das Versprechen bei der Eheschließung spricht von Treue in guten und schlechten Tagen, es spricht von lieben, achten und ehren, jedoch nicht von Unterdrückung, lebenslanger sexueller Ausschließlichkeit und der Zusage, auf dem momentanen Entwicklungsstand stehen zu bleiben. Wer hat sich schon mal das Ausmaß dieser Aussagen vor Augen gehalten? Kirche und Gesellschaft drücken uns moralische Grundwerte auf, die möglichst nicht mehr zu hinterfragen sind, da damit die Kontrolle besser aufrechterhalten werden kann. Und ich verurteile auch keineswegs diejenigen, die sich daran halten, was auch einen gewissen Schutz für viele darstellt. Aber es gibt auch Menschen, die über den Tellerrand hinausschauen und die sich nicht ständig bevormunden lassen wollen.

Es gab in unserer Ehe einen magischen Moment, in dem wir uns beide unsere Vorstellungen von Partnerschaft erzählt haben, das Gespräch war zuerst etwas ängstlich, aber dann fing es an zu fließen, es war der Punkt, an dem wir in einen neuen Abschnitt unserer Beziehung getreten sind.

Mein Mann und ich unterhalten uns darüber, wer uns gefällt oder wen wir anziehend finden. Ich habe einen sehr guten Freund, den ich auch liebe, mein Partner weiß das und er lässt mir meine Gefühle, ohne sie schlecht zu machen. Auch ich lasse ihn seinen Lebensweg gehen, seine Erfahrungen machen, bis jetzt fahren wir ganz gut damit. Wir nehmen uns gegenseitig nichts weg, im Gegenteil, dieser Austausch ist bereichernd für unsere Beziehung. Vielleicht liegt es auch daran, dass wir beide sehr gut alleine sein können, wir brauchen beide nicht die ständige Präsenz des anderen. Und das ist auch die Ursache für die Eifersucht, die Angst vor dem Alleinsein, die Angst, nicht gut genug zu sein, den Partner nicht zufrieden stellen zu können. Der Eifersüchtige kann nicht glauben, dass der Partner freiwillig bei ihm bleibt und so sieht er in allem eine Bedrohung, die er mit Verboten und abgerungenen Versprechungen glaubt bekämpfen zu können.

Die Erfahrung hat mich eines gelehrt: Eifersucht verhindert gar nichts, im Gegenteil, sie birgt die Gefahr, dass sich genau das ereignet, das so sehr befürchtet wird. Wenn man sich bewusst macht, dass man, sollte der Partner wirklich jemanden anderen kennen und lieben lernen, gar nichts dagegen tun kann, kann man vielleicht ein wenig gelassener mit der Sache umgehen. Unzählige heimliche Affairen sprechen eine deutliche Sprache. Und sie passieren ständig und hier setzt auch der Betrug ein, die Verletzungen, die Zerstörung der Seelen.

So viele Ehen werden trotz aller Versprechungen geschieden, warum sieht das niemand? Wer oder was gibt mir das Recht, von meinem gegenwärtigen Partner absolute Treue zu fordern? Was ist Vertrauen? Kann ich dann vertrauen, wenn mir mein Partner verspricht, dass ich auf immer und ewig die einzige in seinem Leben sein werde? Welches Ausmaß an Einschränkungen man damit seinem Partner auferlegt, können die meisten gar nicht einschätzen.

Sollte man es tatsächlich schaffen, einen Menschen mit Drohungen und Forderungen an sich zu binden, hat man bald eine seelenlose Hülle aus ihm gemacht. Denn die Liebe erlischt still und leise und übrig bleibt nur ein Häufchen Asche, ist es das wirklich wert? Wäre es nicht viel schöner, die Wärme einer lebendigen Liebe spüren zu können? Das Feuer, das mal höher und mal schwächer brennt, aber nie erlischt, weil es immer genug Nahrung bekommt!

In einem Buch von Paulo Coelho habe ich den folgenden Satz gelesen, der mich zutiefst beeindruckt hat, denn er enthält eine sehr wichtige Erkenntnis: „Was ist Treue? Macht über einen Körper und eine Seele, die nicht meine ist.“ Dem ist nichts mehr hinzuzufügen. Wenn ich einen lebendigen Menschen neben mir haben möchte, dann muss ich die Größe haben, ihn seinen Weg gehen zu lassen, ihn die Erfahrungen machen lassen, die für seine Entwicklung wichtig sind.

Ich persönlich finde das sehr spannend und nicht beängstigend. Ich möchte keine Marionette an meiner Seite, die sich so bewegt, wie ich die Fäden ziehe und ich möchte auch auf gar keinen Fall, dass an meinen Fäden ein anderer als ich selbst ziehe. Denn das ist das Leben, dann kann man es spüren. Ein Partner, der weiß, dass er sich frei entwickeln kann, ist ein wirklicher Partner, ein freier, starker Mensch an meiner Seite.

Mein Ex-Mann hat mal nach fürchterlichen, Kräfte zehrenden und entwürdigenden Auseinandersetzungen zu mir gesagt „bleib bei mir, und wenn du nur aus Mitleid bleibst, ist mir das auch egal." Das war der Punkt, an dem ich endgültig die Achtung vor ihm verloren habe.

Unkontrollierte Eifersucht zerstört nur, sonst nichts. Ich wünsche niemandem, dieses destruktive Gefühl zu erleben, es vernichtet die Lebensenergie, die soviel sinnvoller eingesetzt werden kann. Gabriela

 

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